Eine Kleine Auswahlhilfe:

Die Qual der Wahl

Bist du auf der Suche nach einem Tanzschuh zum Swing-, Shag-, Lindy Hop- usw. Tanzen? Schon immer waren in allen Tänzen die Schuhe das A und O. Gerade Swing-Tanz-Einsteiger sind oft von den vielen Möglichkeiten überfordert. Diese Auswahlhilfe und meine Geschichte der Tanzschuhe soll dir helfen, etwas Klarheit in die Tanzschuhfrage zu bringen. Doch die Wahl ist schwer. Und das wäre ja noch nicht einmal so schlimm, wenn sich nicht die Preise zwischen 15€ und 300€ bewegen würden. Da ist es schwer, den richtigen Schuh zum richtigen Preis auszuwählen. Alles was hier steht, gilt für Follower wie auch für Leader.

Das ist (Benes) Idealer Swing Tanzschuh

Der sieht eigentlich gar nicht wie ein Tanzschuh aus, oder? Stimmt. Ist er auch eigentlich nicht. Aber: Er hat eine Sohle, die auf nahezu jedem Untergrund ausreichend rutscht und doch auf sehr glatten Böden noch ausreichend Halt gibt. Und er hat ein Fußbett, das das Fußgewölbe stützt. In diesem Fall wird sogar noch mit einer Laufschuhinnensohle nachgeholfen. Und zu guter Letzt hat er eine dämpfende Sohle, die beim Bouncen die Erschütterungen auf die Knie und die Fesseln abdämpft. Leider sieht er nicht so schick aus wie mancher (wie Ich z.B.) das gerne hätte, aber für mich ist dieser Schuh wirklich ideal. Genaueres ganz unten auf der Seite.

Auswahl von unten nach oben.

Das wichtigste bei einem Tanzschuh ist die Sohle. Danach kommt das Fussbett, das Material und erst dann der Look. Deshalb geschieht die Auswahl eines Tanzschuhs immer von unten nach oben.

  1. Welchen Boden wollt ihr mit dem Schuh betanzen? 
  2. Wie Slidefreudig muss der Absatz für euch sein?
  3. Wieviel Dämpfung wollt ihr?
  4. Wieviel Halt soll das Fußbett geben?
  5. Wie leicht soll der Schuh sein?
  6. Sitzt das Obermaterial am Fuß oder schlackert es herum?
  7. Wie soll der Schuh aussehen?

Für einen Lindy hop Intermediate Trainingsschuh könnte das dann so aussehen:

Welchen Boden wollt ihr mit dem Schuh betanzen?
Vorwiegend glatter Boden im Trainingszentrum 90%
Wie Slidefreudig muss der Absatz für euch sein?
Heelslides 17%
Wieviel Dämpfung wollt ihr?
Ich tanze damit lange und viel 92%
Wieviel Halt soll das Fußbett geben?
Meine Gelenke brauchen viel Unterstützung 100%
Wie leicht soll der Schuh sein?
Ich tanze sehr lange in dem Schuh 70%
Sitzt das Obermaterial am Fuß oder schlackert es herum?
Das Obermaterial liegt gut an 80%
Wie soll der Schuh aussehen?
Vintage 7%

Nicht zu rutschig und nicht zu sticky

Am schwierigsten ist bei der Tanzschuhauswahl die Wahl der Sohle. Diese Wahl ist deshalb so schwierig, weil die Griffigkeit des Schuhs eben nicht nur von der Sohle, sondern auch von dem Boden abhängt. Die teuersten Swing-Tanz-Schuhe z.B. von Saint Savoy, haben meist eine Glattledersohle, die auf fast jedem Boden gut dreht (so nennt man das, wenn die Sohle glatt genug ist, um sich auf einem Bein stehend zu drehen). Diese sind für Lindy usw. einfach ideal. Als Bonus hört man mit ihnen auch das Klacken der Schuhe am Boden für die Rhythmus-Variationen. Aber Vorsicht: Diese Schuhe verzeihen nichts. Wenn der Tap mit beiden Füssen leicht neben dem Beat ist, dann wird auch das hörbar, und wer es nicht gewohnt ist, mit aalglatten Sohlen zu tanzen, der wird schnell feststellen, dass die Beine hier wesentlich mehr arbeiten dürfen als bei rutschfesteren Sohlen.

Absatz oder kein Absatz

Gerade für Tänzerinnen stellt sich immer wieder die Frage: Absatz oder kein Absatz? Die hochpreisigeren Swing-Tanzschuhe für Frauen haben meistens Absätze, außer denen von der Marke Pamela. Allgemein lässt sich sagen: Mit Absatz ist es schwerer zu tanzen und einige Stylings, wie z.B. Heelslides und "Heels", sind auf Absätzen einfach nicht möglich. Deshalb hier meine Empfehlung: Zieht Absätze erst in Erwägung, wenn ihr euch auf dem Advanced-Level bei Internationalen Workshops wiederfindet.

Benes Schuhgeschichte

Auf der linken Seite seht Ihr meine persönliche Swing-Tanzschuh-Evolution. Von den ersten Swing Tanzschuhen, die ich gekauft habe, bis zu den neuesten, die erst 2018 dazu kamen. Hier ist von 15 bis zu 220€-Schuhen alles dabei. Anhand meiner Geschichte mit den Tanzschuhen könnt ihr euch vielleicht ein besseres Bild davon machen, was ihr selbst benötigt und welche Umwege ihr euch sparen könnt.

Die Billigen vom New Yorker

Angefangen habe ich mit den billigen 15€-Schuhen von New Yorker. Stoffschuhe mit Plastiksole. Die Schuhe drehen erstaunlich gut auf Tanzparkett. Sie waren für den Anfang in Ordnung, vor allem für das Training, haben aber drei riesen Probleme. Erstens: Ich brauchte alle zwei Monate neue Tanzschuhe, weil Sohle oder Oberstoff rissen. Zweitens: Die Sohle ist aus billigem Plastik und wird auf glattem Boden sehr schnell sehr sticky. Drittens: Die Schuhe haben weder Fußbett noch Dämpfung, weshalb sich nach dem Tanzen oft meine Bänder entzündet haben. Echt unangenehm.

Toms - Crowd favorites

Die zweiten Tanzschuhe waren Toms. Kostenpunkt 65€ in der Männerversion. Toms sind in der Swingszene sehr beliebt und das zu Recht. Die Sohle der Toms ist wirklich außergewöhnlich. Sie dreht auf jeglichem Untergrund hervorragend und es fühlt sich fast an, als würde man barfuß tanzen. Wenn ihr vorhabt in Kneipen, auf Beton oder Teer, Rollsplit oder einfach irgendwo zu tanzen, sind das die idealen Begleiter für den Outdoor Exchange Hopper. Sobald es an eine präparierte Tanzfläche geht, ist allerdings Vorsicht geboten. Eine mit Babypuder bestäubte oder frisch gebohnerte Tanzfläche wird mit Toms zur wahren Schlitterpartie. Toms halten sehr viel mehr aus als man ihnen zutraut, da der Oberstoff sehr robust ist, aber auf sie trifft auch das Problem aller Segeltuchschuhe zu: kein Fußbett, keine Dämpfung. Das geht auf die Fußgelenke.

Endlich echte Tanzschuhe

Ah, diese Schätzchen aus Lammleder sind absolut butterweich und sehen dabei auch noch großartig aus. Die Sohle ist Chromleder, wie es sich für einen Standard- und Latein-Tanzschuh gehört. Die Sohle lässt sich aufrauhen, um bei sehr glattem Boden genügend Halt zu geben, Tanzt man hingegen auf einem klebrigen Kneipenboden, setzt sie sich sofort zu und wird wunderbar glatt. Ein richtiger Profi-Tanzschuh zum stolzen Preis von über 200€. Zwei Mängel gibt es hier jedoch auch, weshalb ich ihn nur noch anziehe, wenn es ums Aussehen geht und wenn der Boden sehr klebrig ist oder auf Turnieren. Erstens: Die Ferse ist weich. Das bedeutet, dass der Schuh zwar etwas von den Schritten abfedert, aber da sie auch mit Chromleder überzogen ist, sind Heelslides absolut unmöglich. Aber noch viel wichtiger für mich: Der Schuh hat wieder einmal so gut wie kein Fußbett und gibt keinen Halt. Wer also empfindliche Fußgelenke hat, der muss sich was einfallen lassen, um die Sehnen nicht überzustrapazieren.

Unverwüstliche Trainingsschuhe

Da ich meine schicken Schuhe auch 3 Stunden pro Tag im Training anhatte, sahen sie nach kurzer Zeit bereits gut eingetanzt aus und hatten den nötigen Vintage-Charme. Doch wollte ich mir die Schuhe natürlich nicht ruinieren. Also kamen für 50€ Boogie Schuhe von Bleyer dazu. Die sind nicht schön aber die Plastiksohle ist absolut unverwüstlich und dreht wunderbar auf Tanzboden. Diese Schuhe kann ich als Trainingsschuhe nur empfehlen. Aber auch sie haben den Nachteil, den wir jetzt schon öfter bemerkt haben: Sie geben keinerlei Halt, da sie absolut kein Fußbett besitzen und haben nur sehr wenig Dämpfung in der Sohle.

Ganz was neues

Auf der Suche nach einem Tanz-Trainings-Schuh hat es mich in den Sport Scheck verschlagen. "Hallo, ich brauche einen Trainingsschuh mit guter Dämpfung, einem sauberen Fussbett ..." - "Klar haben wir!" - "... und möglichst rutschiger Sohle" Der Blick des Verkäufers war unbezahlbar. Völlig entgleist sagte er: „Ok, dann müssen wir mal schauen." Und tatsächlich, nach einigem Überlegen verschwand er im Lager und holte ein paar Schuhe hervor, die wirklich alle Kriterien erfüllten. Ich bin nach wie vor höchst begeistert von diesen Schuhen. Es handelt sich dabei um sog. Fitness-Schuhe, die also eigentlich dafür gemacht sind, im Fitnessstudio auf- und abzugehen und dabei gut auszusehen Daher haben sie gerade noch genug Profil, um wirklich auf den meisten Böden gut zu drehen. Sie haben zudem ein sauberes Fußbett! Seitdem ich sie trage, sind meine Sehnenentzündungen wirklich weg. Der Schuh hat nur zwei Haken. Erstens ist er vom Design her eindeutig ein Turn- und kein Tanzschuh, was mir mittlerweile herzlich egal ist, und Heelslides sind wiederum völlig ausgeschlossen. Ich liebe es aber, diesen Schuh zu tragen. Vor allem, da es sich soooo viel angenehmer bounced als mit allen anderen Tanzschuhen, die ich je besessen habe.

Trick 17

Zu guter Letzt kommt noch der Geheimtrick, mit dem ich meine Tanzschuhe aufgemotzt habe. Ich habe das nebenstehende gute Fußbett mit Currex Laufschuheinlagen (mittlere Härte) ersetzt. Diese Einlagen verleihen dem Schuh - und damit dem Fuß - von unten her noch mehr Stabilität und haben eine zusätzliche, für Läufer entwickelte Gel-Dämpfung im Fußbett eingearbeitet. Damit hoppt es sich wirklich wie auf Wolken. Diese Kombination kann ich wirklich jedem nur empfehlen, der auf der Suche nach einem Schuh ist, mit dem er sein ganzes Leben lang schmerzfrei tanzen kann.

Am Ende gibt es ihn wohl nicht, den perfekten Lindy Hop-Schuh. Man wird immer drei Paar Tanzschuhe benötigen. Ein Paar schicke Schuhe für Bälle und Festivals, ein Paar Trainingsschuhe und ein Paar zum Runterrocken in klebrigen Bars und auf Stock und Stein. 

Was habt ihr für Erfahrungen mit Swing-Tanzschuhen? Welche Vor- und Nachteile habt ihr herausgefunden? Was ist Eure geheime Strategie? Welche weiteren Infos benötigt ihr um eure idealen Swing Schuhe zu finden?


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